Montag, März 01, 2010

Exempli gratia

Salvete!

Letztes Wochenende war Tanelorn-Wintertreffen und es war großartig. Am Samstagmorgen gab es eine kleine Diskussionsrunde zum Thema "Aufbau und Funktion von Regelwerken". Niniane hatte uns einige allgemeine Kriterien für Anleitungen (aus dem technischen Bereich) präsentiert und wir haben ein wenig geschaut, wie sich das auf Rollenspiele anwenden lässt.


Ergänzend hierzu möchte ich mich einer speziellen Textsorte im RPG-Regelwerk widmen: Dem Beispiel, genau genommen dem vom eigentlichen Regeltext durch Formatierung abgesetztem Beispiel. (Häufig sind die irgendwie kursiv.)


Was also zeichnet ein gutes Beispiel aus und braucht man die überhaupt?

Vor mehreren Jahren las ich damals im Confrontation-Forum von einem der Moderatoren etwa Folgendes: "Wenn die Regel nur klar geschrieben ist, braucht es kein Beispiel mehr."

Das ist in der Tat richtig, wenn im Beispiel nur das drin steht, was auch schon im vorhergehenden Regeltext stand. Ein gutes Beispiel beleuchtet daher den gleichen Umstand aus einer zusätzlichen Perspektive.

Ein gutes Beispiel erzählt nicht das gleiche, sondern bildet ein Spannungsverhältnis mit dem vorhergehenden Regeltext. Dies ist ein Trick aus der Pädagogik, der darin besteht, dass der Leser die beiden nicht ganz deckungsgleichen Teile selbstständig zusammenführen muss.

Es gibt einige gute Arten von Beispielen:

Beispiele mit fiktiver Note: Die zusätzliche Note besteht hier in der fiktiven Verpackung, die der nackte Regelmechanismus erhält. So könnte ein Charakter vorgestellt werden, der eine bestimmte Kraft benutzt. Der sollte dann möglichst interessant sein.

Perfektes Beispiel ist hier Nobilis, das alle Crunchy Bits auf diese Weise ausbaut und damit den Großteil seiner Setting-Beschreibung erledigt. In der Tat ist diese Variante vor allem für isolierte und strukturell einfache Crunchy Bits geeignet.


Beispiele mit kreativ-interaktiver Note: Die zusätzliche Note besteht in der Einbettung des Regelmechanismus in eine beispielhafte Spielsituation. Es wird so ein beispielhafter Gesprächsverlauf gezeigt, in dem die Regel zur Anwendung kommt.

Diese Variante ist sinnvoll, wenn Prozesse erklärt werden sollen, insbesondere wenn sie nicht zur Anwendung kommen muss. Wenn es etwa um einen Würfelmechanismus geht, wird eine beispielhafte Situation gezeigt, in der die Teilnehmer den Mechanismus gezielt einsetzen.


Beispiele mit taktischer Note: Hier werden die taktischen Überlegungen eines Spielers gezeigt, die er anstellt, um in einer gewissen Weise zu gewinnen. Hier ist es nützlich ggf. auch auf die Alternativen einzugehen, die der Spieler hätte.

Offenbar ist diese Variante vor allem interessant, wenn es an der Stelle ums Gewinnen geht.


Generell bin ich der Meinung, dass ein Beispiel möglichst nahe bei der behandelten Regel stehen sollte und das nicht all zu viele Regeln mit einem Beispielblock behandelt werden sollten.


Wenn mir dazu was einfällt, werde ich auch bei Gelegehenheit noch mal einige andere spezielle Textsorten in Rollenspiel-Büchern behandeln.

Kommentare:

Haukrinn hat gesagt…

Ich persönlich fände es ja an dieser Stelle ganz interessant, wenn Du zu den drei Kategorien mal jeweils ein Konkretes Beispiel zitieren könntest. ;)

reinecke hat gesagt…

Was Haukrinn sagt: Wo sind die Beispiele?
Setzen, Sechs!

Ich finde auch generell hättest du ruhig zu den drei Sachen noch ein bisschen mehr schreiben können.

Stefan / 1of3 hat gesagt…

Ja, ja, schon gut. Ich werd mal Bücher wälzen, was ich da so an guten Beispiel-Beispielen finde.

Ich mach damit dann ein neuen Beitrag auf, wenn ich fündig geworden bin.