Mittwoch, November 19, 2008

Ressourcen vs. Schleichen

Wenn ein Charakter Ressourcen ***** hat, haben alle Charaktere Ressourcen *****.

Die Gruppe schleicht nur so gut wie der schlechteste Schleicher.


Ich hab mich in der Vergangenheit schon vielen Betrachtungen, die man bei Spielwerten so anstellen kann, gewidmet. Dieser aber noch nicht. Ich weiß nicht einmal, ob sich irgend jemand diesem Phänomen schon einmal systematisch genährt hat.




Ich erkenne Folgendes:

Eigenschaften vom Ressourcen-Typ verleiten dazu, dass überhaupt nur ein Spieler sie kauft. In diesem Fall müssen hinreichend viele andere Eigenschaften vorhanden sein, die die anderen Spieler sinnvoller Weise kaufen können.

Eigenschaften vom Schleichen-Typ können in gewissen Fällen die Investition eines Spieler nutzlos machen. In diesem Fall bietet es sich an, wenn der fähige Schleicher die Versager noch irgendwie rausreißen kann.



Kennt ihr Spiele, die bewusst mit diesem Kriterium, also der Zahl der Spieler, die sinnvoller Weise in die Eigenschaft(en) investieren, spielen?

B&B hat jedenfalls nur eine Spezialanwendung/Verstärkung vom R-Typ (Behandeln von Verletzungen) und keine vom S-Typ.

Kommentare:

alexandro hat gesagt…

Die finanzielle Belastung für einen Charakter mit Ressourcen ****** sind höher, als für fünf Charaktere mit Ressourcen *, welche zusammenlegen (zumindest handhabe ich das bei mir so).

R-Typ Eigenschaften wären z.B. auch jedwede Wissensfertigkeiten (es reicht wenn einer der Spieler die Information kriegt) vs. Kampffertigkeiten (bei denen alle etwas zum Besiegen des Gegners beitragen). In vielen (traditionellen) Systemen scheint das aber auch ausdrücklich gewollt zu sein.

Ansonsten gibt es ja noch coop-rolls (z.B. in Savage Worlds), welche S-Typ-Eigenschaften einigermaßen auf den Durchschnitt der Gruppe bringen, statt einen Fehler die gesamte Investition der Anderen zunichte machen zu lassen.

rollenspiel hat gesagt…

Ich finde die Gedanken zum Thema Schleichen wirklich gut. Meine Beobachtungen bei D&D sind hier auch sehr zwiespältig. Auf der einen Seite braucht man manchmal wen der schleichen kann. Auf der anderen Seite werden dessen Fähigkeiten bis ins Groteske vom Rest der Gruppe kompromittiert. Dann wiederrum ist es aber ziemlich oft problematisch, die Person alleine vorschleichen zu lassen: Im Zweifel reicht EIN Gegner, der den Schleicher entdeckt volkommen aus, diesen in Riesengrosse Probleme zu bringen, aus denen er allein nicht rauskommt ...

Eine Lösung dieses Zwiespalts fände ich spannend.

Karsten hat gesagt…

ja, es ist schon auffällig, wie viele SLs bei D&D ein "Vorschleichen" im Abstand von 20m erlauben, während der Rest der Gruppe folgt ohne auch nur würfeln zu müssen - wohl wissend, dass man in einem Plattenpanzer immer laut ist.

Was ja echt grenzwertig ist...

Harald Wagener hat gesagt…

Eero Tuovinen, seines Zeichens Statthalter von The Shadow of Yesterday, hat das mit dem Schleichen mal so erklärt, dass der Schleicher mit seiner Fähigkeit "Verschlagenheit" oder "Heimlichkeit" ein gekonntes Ablenkungsmanöver fährt, dass es den anderen Charakteren erlaubt, unentdeckt in das sprichwörtliche Schurkenschloß einzusteigen. So kennt man das ja auch aus einschlägigen Erzählungen, wo ein gezielt ins Gebüsch geworfener Stein die Aufmerksamkeit im Sinne der Protagonisten lenkt.

Funktioniert wahrscheinlich nur bei Systemen mit hinreichen breiten Systemen (TSOY gehört dazu), aber letztlich ist es nichts anderes als der Lassowerfer/Seilbinder, der mit seinem Seil der ganzen Gruppe die Überwindung der Schlucht vereinfacht oder ermöglicht.

Wichtig ist hier, dass der kreative Umgang mit den Ressourcen häufig interessanter und effektiver ist, als die unmittelbare Anwendung nahelegt.