Montag, Juli 12, 2010

Schauplätze

Moinsen.

Schon ganz zu Anfang hatte ich ja postuliert, dass Rollenspiele "Hintergrundwelten" und "Core Storys" haben können (und letzteres vielleicht auch sollten).

Eine Hintergrundwelt ist also etwa Faerun, Aventurien oder Shadowruns Sechste Welt. Sie hilft sich das Geschehen vor Augen zu führen und leiht der Vorstellung einen gewissen Stil.

Eine Core Story, von den Blutschwertern schön eingedeutscht zur "Kernfabel", beschreibt, was die Protagonisten tun. Boldly go, where no on has gone before. Kill the monsters, take their stuff. Usw.

Offenbar sind die beiden relativ unabhängig. Wenn es neue Länder zu entdecken gilt, sollten solche irgendwie in der Hintergrundwelt enthalten sein, aber ob das Sternsysteme oder Inseln sind, ist der Kernfabel ziemlich egal.

Dann gibt es offenbar Abenteuer-Setups, also die konkrete Konstellation, die dann bespielt wird, egal ob das nun ein Dungeon, ein Mordfall oder die grobe Planung für eine PtA-Folge ist. Solche Setups lassen sich als Teile der Hintergrundwelt betrachten, sofern man eine solche annimmt. Und ganz eindeutig wird die Kernfabel das Abenteuer-Setup informieren.



Nun scheint es mir aber so, dass zwischen der Hintergrundwelt und möglichen Abenteuer-Setups noch etwas liegen kann: Ein Schauplatz. Einige sagen vielleicht auch Arena oder - ganz wörtlich - Setting, aber andere wieder bezeichnen mit Setting verwirrender Weise die Hintergrundwelt. Ich spreche also von Schauplätzen.

Machen wir ein Beispiel. Wir spielen also D&D auf Eberron. Das liefert uns die Kernfabel und die Hintergrundwelt. Und wir haben uns das (ich empfehle es hiermit!) Sharn-Quellenbuch gekauft. Sharn ist eine Stadt und das Buch beschreibt uns, wer so im Stadtrat sitzt, welche Verbrechersyndiakte es gibt, wer sonst noch so am Intrigieren ist etc. So etwas meine ich.

Es folgt: Ein Schauplatz ist ein Satz von prinzipiellen Akteuren unter aktuellen Umständen.

Warum sind die Figuren aus dem Sharn-Buch prinzipelle Akteure? Weil ich eine ganze Kampagne in Sharn spielen kann, ohne mich mit dem Stadtrat auseinander zu setzen. Sie müssen also in meinen Abenteuer-Setups nicht zwangsläufig erscheinen. - Sie sind aber prinzipiell da.

Typische Elemente von Schauplätzen sind also Personen (insbesondere einflussreiche) und Organisationen, gerne auch zentrale Orte. Die Akteure, also die Personen und Organisationen, werden dabei in einem aktuellen Verhältnis gezeigt. Man könnte sie also auf eine R-Map malen.


Eine Hintergrundwelt kann mehrere Schauplätze beinhalten. (Eberron hat auch ein Stormreach-Quellenbuch.) Manchmal enthält eine Hintergrundwelt auch gar keinen richtigen Schauplatz.

Was folgt? Recht eindeutig lässt sich sagen, dass Spiele, die einen oder mehrere Schauplätze liefern häufig zugänglicher sind, als andere.



Festhalten kann man, dass sich ein ähnlicher Effekt mit Meta-Schauplätzen erzielen lässt. (Ausgehend von denen, kam ich zu diesem Artikel.) Denn was tut z.B. Vampire? Das bietet in der neusten Auflage am Ende New Orleans als Schauplatz. Schon immer aber hat Vampire eine Anleitung geliefert Schauplätze zu bauen: Die Stadt habe einen Fürst, vielleicht einen Rat der Ältesten, einen Sheriff... Die Liste der Ämter im Vampire-Regelwerk ist quasi ein Schauplatz mit abgeschraubten Namensschildern.

Überregionale Organisationen lassen sich natürlich bei diesem Ansatz 1:1 übertragen und werden entsprechend gerne benutzt.

Kommentare:

Drak hat gesagt…

Schauplätze teils unabhängig von der Welt zu betrachten klingt logisch.

Ich würde allerdings Shadowrun mit Seattle als Beispiel nehmen. Das ist, glaube ich, das typische Beispiel eines Schauplatzes.

Ein Schauplatz ist damit die typische Umgebung für Abenteuer, sozusagen der Archetyp der Orte der Welt.

Und wenn es mehrere Schauplätze gibt, hat die Welt halt mehrere archetypische Orte, so wie das Regelwerk auch mehrere archetypische Charaktere hat.

Kapi hat gesagt…

Ein sehr interessanter Ansatz den du da bringst.

Ich würde es gerne auch einmal für Second Life betrachten, als Paradebesipiel.

Ich denke hier wird die ganze Problematik bzw die angesprochene These noch einmal verdeutlicht.

Fal hat gesagt…

Du hast den existierenden Begriff "Schauplatz" und seine Bedeutung adäquat beschrieben.

Stefan / 1of3 hat gesagt…

Drak scripsit:
" Ein Schauplatz ist damit die typische Umgebung für Abenteuer, sozusagen der Archetyp der Orte der Welt. "

Ich tu mich ein bisschen schwer mit der Bezeichnung "Ort" bzw. es scheint mir nötig, das genauer zu erklären: Die besagten Akteure müssen ohne große Verzögerung agieren können.

Bei der Tanelorn-Challenge stellt Callisto grad ein Spiel über global agierende Naturgeister vor. Für die ist die ganze Welt ein Schauplatz. Die Hintergrundwelt wird hier mit dem Schauplatz identisch.


Kapi scripsit:
" Ich denke hier wird die ganze Problematik bzw die angesprochene These noch einmal verdeutlicht. "

Hmmm. Ist das eine Aufforderung an mich, etwas zu tun, oder hast du selbst vor etwas zu schreiben? Oder hoffst du auf eine ausgiebige Diskussion?


Fal scripsit:
" Du hast den existierenden Begriff "Schauplatz" und seine Bedeutung adäquat beschrieben. "

Danke.